ATLAS

Transformation der Automobilbranche

Südwestfalen ist die drittgrößte Industrieregion Deutschlands und zugleich einer der Kernstandorte der vom Mittelstand dominierten Automotive-Industrie. Im Angesicht von Energieengpässen, Klimawandel, Digitalisierung und Fachkräftemangel steht die hiesige Wirtschaft jedoch vor massiven Transformationsherausforderungen.

Projekt ATLAS zum 1. Juli bewilligt

Mit über 500 Unternehmen und rund 52.000 Beschäftigten ist die Automobilbranche ein wichtiger Wirtschaftszweig und ein entscheidender Beschäftigungsfaktor in Südwestfalen. Durch den Umstieg vom klassischen Verbrennungsmotor auf elektrische Antriebe ist sie jedoch von einem tiefgreifenden Strukturwandel betroffen, der kleine und mittlere Zuliefererunternehmen besonders stark trifft.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit 7,1 Millionen Euro geförderte Projekt „ATLAS – Automotive Transformationsplattform Südwestfalen“ setzt genau an diesem Punkt an. Durch die Schaffung eines regionalen Transformationsnetzwerks sollen insbesondere KMU im Automotive-Sektor bei den anstehenden Transformationsprozessen, zum Beispiel bei der Erschließung neuer, digitaler und nachhaltiger Geschäftsmodelle und der Qualifizierung von Beschäftigten, unterstützt werden. Dabei verfolgt ATLAS einen klaren beteiligungsorientierten und sozialpartnerschaftlichen Ansatz. Im Schulterschluss mit Unternehmen, Mitarbeitenden, Gewerkschaften und Betriebsräten sollen ganzheitliche Lösungen entwickelt und die Branche zukunftsfähig aufgestellt werden. Am Beispiel von Südwestfalen soll demonstriert werden, wie digitale Transformationschancen zum nachhaltigen Nutzen der Unternehmen und Beschäftigten beitragen können, so die Projektverantwortlichen. Damit fügt sich ATLAS in eine Reihe von Großprojekten und Initiativen zur Förderung der südwestfälischen Wirtschaftsstruktur und des regionalen Innovationsökosystems ein.

Starker regionaler Verbund

Die tiefgreifenden strukturellen Veränderungen, vor denen die Automobilbranche steht, können vor allem kleine und mittlere Unternehmen nicht immer alleine bewältigen. Das Projekt ATLAS wird daher von einem starken regionalen Verbund aus Hochschulen, Arbeitnehmer- und Arbeitsgeberverbänden, Kreisen, Kammern und Wirtschaftsförderern getragen. Schon im Prozess der Beantragung hat die IG Metall das Projekt in Vernetzung mit regionalen Arbeitsagenturen, der Südwestfalen Agentur GmbH, dem Automotive Center Südwestfalen GmbH sowie dem VIA Verbund maßgeblich vorangetrieben und ermöglicht. Als Erster Bevollmächtigter der IG Metall Olpe war André Arenz von Beginn an am Projekt beteiligt und hat zur erfolgreichen Bewilligung beigetragen. Er sieht in ATLAS vor allem einen großen Nutzen für die Region: „ATLAS kann dazu beitragen, dass wir die Region fit für die Zukunft machen. Dabei ist uns vor allem auch die Beteiligung und Qualifizierung der Beschäftigten sehr wichtig“, so Arenz.

Die Koordination des Projekts liegt bei der gemeinnützigen Gesellschaft für digitalisierte und nachhaltige Zusammenarbeit (DNZ gGmbH) zusammen mit sechs weiteren Projektpartnern. Neben der Universität Siegen sind das die IG Metall NRW, Fachhochschule Südwestfalen, Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung im Märkischen Kreis mbH, agentur mark GmbH und Digital Hub Management GmbH. „Gemeinsam mit unseren Partnern sowie den Unternehmen und Beschäftigten der Region wollen wir praxisnahe und innovative Digitalisierungslösungen entwickeln und somit Südwestfalen zur ersten Modellregion für die nachhaltige Transformation der mittelständischen KFZ-Zuliefererindustrie machen“, verdeutlicht Dr. Muhamed Kudic, Geschäftsführer der DNZ gGmbH.

Den Wandel vorantreiben: Unterstützung der Automobilbranche in Südwestfalen

Die Zukunft der Automobilbranche hängt maßgeblich von der Entwicklung zukunftsfähiger, nachhaltiger und oftmals digital-gestützter Geschäftsmodelle ab. In den nächsten drei Jahren sieht das Projekt den Aufbau und die Etablierung entsprechender Unterstützungsstrukturen vor. Während im Rahmen eines innovativen regionalen Netzwerks konkrete Angebote zum Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch geschaffen werden, soll die Umsetzung der regionalen Transformationsstrategie in Feldstudien erprobt werden. Die Entwicklung zielgruppenspezifischer Qualifizierungsangebote ist essenziell für den Kompetenzaufbau der Beschäftigten und soll als Gegengewicht zum Fachkräfteengpass wirken. Prof. Dr. Thomas Ludwig der Universität Siegen als größter Konsortialpartner macht dabei deutlich: „Die Qualifizierungsangebote innerhalb von ATLAS gehen Hand in Hand mit der Entwicklung sogenannter Minimum Viable Products (MVP), um Qualifikation und Innovation frühzeitig miteinander zu verschränken. Die Konzeption und Entwicklung der MVPs findet direkt in und mit den Unternehmen statt wobei die Beschäftigten gleichzeitig in sogenannten Transformationswerkstätten fit für die anstehenden Prozesse gemacht werden, um den bevorstehenden Wandel positiv begleiten zu können.“

Mit seinem sozio-technischen, menschzentrierten Ansatz ist das Projekt ATLAS ein wichtiger Baustein bei der Weiterentwicklung der Siegener Sozio-Informatik, die mittel- bis langfristig weitere, ähnlich gelagerte Vorhaben für die Region umsetzen und verstetigen möchte.

Interessierte Unternehmen erhalten weitere Informationen auf Homepage des DNZ: www.dnz-siegen.de.

Ihre Ansprechpartner

Dr. Muhamed Kudic

Geschäftsführung inhaltlich

E-Mail: muhamed.kudic@socio-informatics.de